Februar 14, 2022

Dein Kind bei starken Gefühlen ablenken – Go or NoGo

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Die Szene kennt wahrscheinlich jede von uns:
Ein Kind stürzt, tut sich weh, stößt sich den Kopf oder weint aus Gründen wie dem zerbrochenen Keks. Und dann hörst du’s schon “Ist doch nichts passiiiiiert! Alles gut! Ist doch schon wieder gut!”
Zu allererst einmal: Hinter diesen Äußerungen steht eine gute Absicht.
Keiner möchte, dass es dem Kind weiter weh tut. Und die meisten wollen wirklich und ehrlich trösten
Doch ist die Ablenkung vom Schmerz, von der Trauer, von der Wut oder auch einfach nur vom Schreck wirklich das Mittel der Wahl, um zu trösten? In die gleiche Sparte zählt meiner Meinung nach auch das Ignorieren. “Tu so, als wär nichts passiert, dann spielt das Kind bestimmt gleich weiter und fängt gar nicht erst an zu weinen”.
In dieser Folge wollen wir uns mal genau diesen Themen widmen. Ich erkläre dir, was unsere Kinder erfahren, wenn wir auf diese weise trösten.

Das erfährst du in dieser Folge:

  • Ist Ablenkung gut oder schlecht? 
  • Was erfahren Kinder, wenn wir auf diese Art und Weise trösten?
  • Warum tun wir das so häufig?
  • Was ist, wenn das Kind sich in seiner Wut, seinem Schmerz völlig verliert? Muss ich dann nicht ablenken?
  • Wie könnten Alternativen dazu aussehen?

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Inhalt:

Warum wir als Eltern Ablenkungen so gerne nutzen

  • Gerade wenn alle Beteiligten emotional herausgefordert werden, ist Ablenkung häufig das Mittel der Wahl.
  • Erwachsene wollen oft, dass das Gefühl weggeht, dass die unangenehme Situation vorbei ist.
  • Von den Gefühlen ablenken, ist etwas, was gut gemeint ist.
  • Dem Kind soll es gut gehen, es soll glücklich sein und zufrieden weiterspielen.
  • Doch das wird der Situation im Gesamten nicht gerecht.
  • “Steh mal auf. Tut doch gar nicht weh. Ist nichts passiert!” sind häufige Sätze, mit denen viele von uns aufgewachsen sind.
  • Auch: Ein Indianer kennt keinen Schmerz gehört in diese Sparte (wobei bei diesem Spruch auch noch eine rassistische Ebene mit reinwirkt!).
  • “Tut doch gar nicht weh!”: Ich weiß nicht, wie Erwachsene auf die Idee kommen, dass für das Kind beurteilen zu wollen!
  • Ob etwas wehtut oder nicht, hat einzig und allein die “verunfallte” Person zu entscheiden.
  • Und auch ob “alles gut ist”, wenn der Keks zerbrochen ist, hat einzig und allein der Besitzer oder die Besitzerin des Keks zu entscheiden!

Mein Gefühl ist nicht richtig. Das was ich fühle, darf ich nicht ausdrücken.

  • Was wird Kindern signalisiert, wenn wir sagen: “Ach ist nichts passiert, tut nicht weh. Alles gut, spiel weiter!”?
  • Sie lernen dadurch: Mein Gefühl ist nicht richtig. Das was ich fühle, darf ich nicht ausdrücken. Ich bin gut, wenn ich glücklich und zufrieden weiter spiele. Dafür kriege ich Anerkennung. 
  • Auch die Ignoranz-Schiene ist kritisch zu betrachten. Eine häufige Situation, sieht ja so aus:
  • Das Kind fällt hin, tut sich weh. Es schaut zu den Erwachsenen und mindestens einer sagt “Einfach nicht reagieren. Dann spielt Lisa eh weiter. Die tut nur so, dabei war es gar nicht schlimm”.
  • Natürlich kann es sein: Wenn ich mich selbst total erschrecke durch den Sturz des Kindes, wird auch das Kind total verunsichert und weint vielleicht, weil ich es verunsichert habe. 
  • Aber Kinder brauchen uns Erwachsene, um Situationen einzuschätzen. Der Blick, der direkt vom Kind zu uns geht, ist ein Rückversicherungsblick! Es ist das Bindungssystem, was aktiviert wird! 
  • Und wenn das Kind fällt, es zu mir schaut und in meinem Gesicht eigentlich nur die Ausdruckslosigkeit sieht (“damit das Kind merkt, dass eigentlich nichts schlimmes passiert ist”), was lernt es dann?
  • Mein Gefühl hierzu ist unwichtig, nicht richtig. Meine wichtigste Bezugsperson reagiert nicht auf meine Gefühle, also unterdrücke ich sie lieber!

Das perfide an beiden Wegen ist, das sie auf den ersten Blick leider funktionieren

  • Das Kind beruhigt sich selbst und spielt weiter.
  • Es schluckt die Tränen runter und ist ein tapferes Kind.
  • Das werten viele Erwachsene also als Erfolg ihrer Strategie! Denn das unangenehme Gefühl ihres Kindes, dass sie selbst vielleicht auch nie fühlen dürften, ist erstmal weg.
  • Doch das Kind beruhigt sich nicht, weil es seine Gefühle plötzlich total gut verstehen kann und sich allein reguliert hat.
  • Das Kind hat das Gefühl von sich weggeschoben und runtergeschluckt. Es verinnerlicht: 
  • “Es ist falsch, was du fühlst. Das wollen wir hier nicht.”

Warum nutzen wir das Ablenken dann so häufig? 

  • Mir liegt ein “Alles gut!” auch immer wieder auf der Zunge, wenn sich z.B. unser Baby sich den Kopf stößt.
  • Es ist einfach so tief verankert! 
  • Deshalb möchte ich allen, die hier zuhören, erstmal wieder den Druck nehmen: Das Wichtigste ist erstmal, dass ihr beginnt, diesen Mechanismus, dieses Muster bei euch wahrzunehmen.
  • Denn dann habt ihr eine Chance, das langfristig zu verändern.
  • Und wenn es euch dann doch zwischendurch passiert, dann ist es nicht so super dramatisch, denn was zählt, ist auch die zugewandte, nonverbale Haltung, die das Kind spürt: Wenn das Kind spürt, mein Schmerz, meine Gefühle sind ok. 
  • Es folgen noch viele Situationen im Leben mit Kindern, in denen du dich immer wieder daran erinnern kannst, dass du es anders machen willst.

Also, warum tun wir das, dass wir einem anderen Menschen Gefühle absprechen?

  • Ich habe schon sehr ausführlich darüber in der Folge “Mama, Papa nicht schreien - Warum dich ein Wutanfall deines Kindes so triggert” gesprochen.
  • Wenn Kinder weinen, werden wir auch immer mit unseren eigenen Wunden und tiefen, negativen Gefühlen konfrontiert. 
  • Das Verhalten unseres Kleinkindes kann die Dämonen aus der Vergangenheit hervorlocken. 
  • Keiner von uns ist frei von Kränkungen, Enttäuschungen und Verletzungen aus der eigenen Biografie. Im Alltag, wenn alles normal läuft und funktioniert, haben wir diese Schürfwunden unserer Seele gut verarztet und weggepackt. Sie machen sich nicht bemerkbar und gehören zu uns und unserer Persönlichkeit wie auch all die schönen Seiten des Lebens. 
  • In manchen Situationen wie bei einem Streit oder eben auch einem Wutanfall unseres Kindes kann es sein, dass diese Wunden wieder aufbrechen und sich den Weg nach außen suchen. 
  • Das Verhalten des eigenen Kindes kann dann wie ein Brandbeschleuniger Gefühle von früheren schmerzlichen Erfahrungen hervorrufen. 
  • Vielleicht erinnern wir uns in Situationen, in denen unser Kind gestürzt ist und weint, an eigene Situationen aus unserer Kindheit, wie wir damals getröstet wurden oder eben auch nicht.
  • Wofür haben wir als Kinder Anerkennung erfahren? “Spiel mal schön! Sei tapfer, ein Indianer kennt keinen Schmerz!” Womit waren unsere Bezugspersonen zufrieden?
  • Vielleicht konnten/durften auch wir nicht so richtig Gefühle ausleben, zeigen und verarbeiten.
  • Und wenn diese Gefühle wieder hervorkommen, weil ein Kind weint, dann wollen wir das nicht. Wir wollen das nicht erneut fühlen und schieben es weg und worin endet das? “Ist doch nichts passiert, alles gut, tut doch gar nicht weh!”

Was sollte ich denn dann beachten beim Trösten / Beruhigen?

  • Grundsätzlich gilt, dass die Gefühle des Kindes erstmal SEIN dürfen.
  • Das Kind darf so lange weinen, wie es das braucht.
  • Denn Tränen, die raus dürfen, bauen Stress ab.
  • Vielleicht sitzt es auf deinem Schoß und weint leise vor sich hin. Vielleicht möchte es keinen Körperkontakt. Auch das ist ok. Denn wenn es die Gewissheit hat, dass es das darf und deine Haltung ihm zeigt, dass es ok ist, wird es sich die Zeit nehmen, die es braucht und irgendwann von allein wieder ins Spiel finden.
  • Denn dann konnten sie Stressgefühle vom Sturz oder vom zerbrochenen Keks ganz in Ruhe verarbeitet werden und rausgeweint werden.
  • Das Kind lernt: Ich bin ok, so wie ich bin. Ich darf fühlen, was ich fühle. Gefühle werden nicht bewertet. Kein Gefühl ist besser oder schlechter, deswegen spreche ich übrigens auch lieber von starken oder eher unangenehmen Gefühlen. Das macht sie nicht schlecht.

Doch was ist, wenn das Kind sich völlig z.B. in seiner Wut verliert?!

  • Etwas anderes ist es z.B. bei einem Wutanfall. Auch da dürfen die Gefühle natürlich sein.
  • Doch manchmal überwältigen die Wut-Gefühle so sehr, dass wir dem Kind durchaus helfen dürfen, da wieder herauszufinden.
  • Das ist streng genommen keine Ablenkung, sondern eher ein Umleiten und eine Hilfe beim Verarbeiten.
  • Das kann z.B. so aussehen, dass du das Kind aus der Situation herausträgst und ihr z.B. den Raum wechselt, nach draußen geht, die Blätter an den Bäumen, den Wind in den Bäumen beobachtet und gemeinsam tief in den Bauch atmet.

Wenn du lernen möchtest, dein Kind in seinen Gefühlen zu begleiten und wenn du noch Unterstützung dabei brauchst, weil du immer wieder in die gleichen Muster (z.B. ins Trösten durch Ablenken) zurückfällst, dann habe ich eine wichtige Info für dich.

Mein Kurs “Kleine Menschen mit großen Gefühlen - Gefühlsstürme gemeinsam meistern” startet bald wieder und du kannst dich auf die Warteliste setzen lassen. Im Kurs lernst du auch, mit deinen großen Gefühlen umzugehen und deine alten Glaubenssätze wie “Ein Indianer kennt keinen Schmerz” umzugehen.

Know-Wow

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Hi, ich bin Annika, Expertin für frühkindliche Entwicklung und Spezialistin für die Beratung von Familien. Ich zeige dir, wie du dein Kind friedlich und bedürfnisorientiert durch die Autonomieentwicklung ("Trotzphase") begleitest.

Bedürfnisorientiert. Selbstbestimmt. Ganzheitlich.

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