Februar 15, 2021

7 Tipps, um Übergänge sanft zu gestalten

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Der Alltag ist für uns Erwachsene bereits ganz schön abwechslungsreich. Ein einzelner Tag besteht schon aus so vielen Dingen wie Aufstehen, Waschen, Essen, zur Arbeit fahren, Arbeiten, Haushalt, Einkaufen, Kinder versorgen und das Leben der Kinder koordinieren, Sport machen, Freunde treffen und vieles mehr. Daneben gibt es natürlich noch die großen Veränderungen wie zum Beispiel ein Umzug, eine neue Arbeit, ein*e neue*r Partner*in und so weiter. Wir haben im Laufe unseres Lebens gelernt, mit diesen kleinen und großen Übergängen und Veränderungen zurecht zu kommen. Unsere Kinder haben diese Erfahrungen jedoch noch nicht und sind in einem frühen Alter auch entwicklungspsychologisch davon sehr herausgefordert. Somit kann jede Veränderung einer Situation Stress für unser Kind bedeuten und bietet Potential für Gefühlsausbrüche.

In diesem Beitrag möchte ich dir deshalb aufzeigen, wie du solche Übergänge für dein Kind sanft gestalten kannst und somit das Potential für Wutanfälle reduzierst.

Auch für dich sind einige Situationen neu

Zunächst ist es mir jedoch wichtig, dass du für dich einmal reflektierst, in welcher Situation du gerade steckst. Speziell, wenn du erst dein erstes Kind bekommen hast, dann befindest du dich mit deinem Partner selbst noch in einer Übergangsphase. Damit meine ich den Übergang von der Partnerschaft zur Elternschaft mit all seinen Herausforderungen. 

Du fragst dich vielleicht, warum dies in Bezug auf dein Kind wichtig ist. Wenn ihr als Eltern euch selbst noch finden müsst oder euch unsicher in Situationen fühlt, dann sorgt das auch bei euch für Stress. Hinterfrage dich doch mal, wie sicher du und dein*e Partner*in euch in folgenden Situationen fühlt:

  • Eingewöhnung in der Krippe oder Kita
  • Ihr habt einen Termin, aber euer Kind macht keine Anstalten sich anziehen zu wollen. Du spürst den Zeitdruck. Wie löst ihr das und unterstützt euch als Paar?
  • Euer Kind möchte nicht ins Bett. Du fühlst dich genervt.

Mit der Zeit oder beim zweiten, dritten Kind hast du für dich sicher Lösungsstrategien entwickelt. Die jeweiligen Situationen sind für dich nicht neu und lassen dich entspannter bleiben. Erlebst du diese Momente zum ersten Mal, sorgt das bei dir für Stress. Dieser Stress feuert das Konfliktpotential noch weiter an. 

Von daher ist es wichtig, deine eigene Situationen zu reflektieren und ehrlich mit dir zu sein. Dadurch kannst du dir vorab Lösungen überlegen oder dich zumindest gedanklich darauf vorbereiten. Wenn du dich sicher fühlst, überträgt sich dies auch auf dein Kind.

Kleine und große Übergänge bedeuten Herausforderungen für Dein Kind

Aber nun lass uns zurück zu Deinem Kind kommen. Jeder noch so kleine Übergang in eurem Alltag kann für dein Kind Stress bedeuten und bietet somit Konfliktpotential. Dies fängt früh am Tag an, mit dem Schlafanzug ausziehen und setzt sich fort mit dem frühstücken, fertig machen zum raus gehen, losgehen, wieder nach Hause aufbrechen, ausziehen oder und dann vielleicht noch Hände waschen.

All diese kleinen Übergänge stellen für dein Kind kleine Herausforderungen dar. Diese können größer werden, wenn sie unter Zeitdruck erfolgen.

Kinder halten an Gewohntem fest

Damit du auf dein Kind entsprechend eingehen kannst, ist es wichtig zu verstehen, warum diese Situationen eine Herausforderung für dein Kind darstellen.

Ich habe zu Beginn schon erwähnt, dass dein Kind entwicklungspsychologisch noch nicht in der Lage ist, flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Somit will es zuhause einfach weiterspielen, anstatt loszugehen und fühlt sich durch den plötzlichen Aufbruch überfordert. Für dein Kind ist der plötzliche Aufbruch "unberechenbar", da er wenig vorhersehbar ist.

Zudem haben Kinder noch kein Gefühl für Zeit. Dein Kind kann noch nicht nachvollziehen, warum es genau JETZT frühstücken oder sich die Schuhe anziehen soll. Das heißt, es macht auch überhaupt keinen Sinn, wenn du versuchst deinem Kind Druck zu machen mit Sätzen wie “Wenn du jetzt nicht kommst, dann…” oder “Ich zähle bis drei”. Vielleicht wird dir dein Kind folgen, aber wahrscheinlich eher aus Angst und Druck. Somit führen solche Sätze eher zu einem kleinen Knacks in eurer Beziehung.

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Neue Situationen verunsichern dein Kind

Neben diesen kleinen Herausforderungen im Alltag verunsichert  grundsätzlich neue Situation dein Kind. Das heißt, wenn ihr neue Menschen trefft oder neue Orte besucht, dann braucht dein Kind die Sicherheit einer Bezugsperson. Das kann also auch vollkommen gegensätzlich zu dem sein, was du als Erwachsener möchtest. Du suchst vielleicht nach Abwechslung und neuen Aktivitäten. Hier ist es umso wichtiger, dass du Rücksicht auf dein Kind nimmst und es auch auf neue Situationen vorbereitest.

Das Paradebeispiel für einen großen Übergang ist auch die Eingewöhnung in die Kita, welche eine massive Veränderung für dein Kind darstellt (und wahrscheinlich auch für dich). Dein Kind soll auf einmal allein bei einer erstmal fremden Person und in einer bis dahin fremden Umgebung bleiben. Dieser Prozess braucht einen individuellen Zeitraum und kleine Schritte. Wenn Du fachlich etwas mehr speziell über den Übergang im Rahmen der Eingewöhnung wissen möchtest, dann schaue doch mal kindergartenpädagogik.de vorbei.

7 Tipps, wie du Übergänge sanft gestaltest

Lass uns jetzt aber mal bei den kleinen Herausforderungen im Alltag bleiben. Ich möchte dir im Folgenden 7 Tipps mitgeben, wie du Übergänge im Alltag sanft gestaltest und somit das Potential für Gefühlsstürme reduzierst.

Tipp 1: Besprich die Tagesplanung mit deinem Kind

Stell dir vor, dein*e Partner*in sagt dir mitten am Tag und ohne Verwarnung, dass ihr JETZT spazieren geht und ihr euch sofort zackig anzieht. Das würde dich wahrscheinlich überraschen und vielleicht auch unter Stress setzen, da du vielleicht doch noch mitten in einem spannenden Buch bist.

Bei deinem Kind ist es ähnlich. Beziehe es in die Tagesplanung mit ein und kündige an, was ihr am Tag vorhabt und dass ihr vielleicht einen Spaziergang macht oder zur Oma geht. Dabei gilt: Je größer die Aktion oder Veränderung, desto früher solltest du sie deinem Kind ankündigen. Das heißt, wenn ihr plant in den Urlaub zu fahren, dann erwähne dies ruhig schon einige Wochen vorher und erkläre deinem Kind, was passieren wird. So nimmst du ihm Stück für Stück die Unsicherheit. 

Tipp 2: Kündige auch Situationswechsel an

Punkt 1 gilt nicht für eure grundsätzlichen Pläne, sondern auch für Situationsänderungen. Wenn du weißt, dann ihr zu einer bestimmten Zeit den Bus nehmen wollt, dann fange früh genug an es anzukündigen. Du kannst dies auch mit Sätzen einleiten wie “Noch dreimal springen und dann gehen wir los”.  Gib' deinem Kind die Zeit sein Spiel zu beenden, plane Zeit für das Schuhe anziehen ein und natürlich auch für den Weg an sich. Wer weiß welche tollen Blumen oder sonstigen Objekte es da noch zu entdecken gibt 🙂 Somit nimmst du der Situation die Unvorhersehbarkeit für dein Kind. 

 

Tipp 3: Versuche Zeitdruck zu vermeiden

Ich habe zuvor schon erwähnt, das Kinder noch kein Gefühl für Zeit oder Verständnis für Zeitdruck haben. Du solltest deshalb schauen, Zeitdruck von vornherein zu vermeiden. Ich weiß, dass dies leichter gesagt ist es als getan. Häufig ist nun mal unser Tag von begrenzter Zeit und Terminen geprägt. Aber mach dir vorher Gedanken über euren Tagesplan und versuche, wo du kannst, Termine zu reduzieren und den Druck rauszunehmen. Die Entschleunigung tut ja vielleicht auch dir gut.

Tipp 4: Mach deine innere Ruhe zur Priorität und tue alles dafür, um selbst entspannt zu bleiben

Jetzt kommt noch so ein toller leicht gesagter Tipp von mir: “Bleibt entspannt”. Ich weiß, dass der Alltag, der Zeitdruck und Wutanfälle unglaublich an die Nerven gehen. Da gelassen zu bleiben ist definitiv nicht einfach. Wenn du mich häufiger verfolgst, dann weißt du, dass es mir total wichtig ist, die eigenen Ressourcen und die des Umfeldes mit zu aktivieren. 🙂

Überlege dir deshalb Strategien, was du in stressigen Situationen tun kannst, um für Entspannung zu sorgen. Die Möglichkeiten sind vielfältig:

  • Integriere grundsätzlichen Ausgleich in deinen Alltag wie Yoga, Sport oder Meditation
  • Unterstützt euch als Paar gegenseitig in Stresssituationen, um euch zu entlasten?
  • Versuche in genervten Situationen kurz innezuhalten, um nicht aus einem Impuls heraus zu reagieren und mache dir die Situation deines Kindes bewusst

Tipp 5: Nutze Spielpausen für Übergänge

Gestalte euren Alltag etwas flexibler und nutze die natürlichen Übergänge im Alltag deines Kindes. Das heißt, du kannst Situationen wie die Pause zwischen zwei Spielen oder den Moment nach dem Verabschieden von Oma nutzen, um zum Beispiel, dass “zu Bett gehen” einzuleiten. Halte nicht total starr an fixen Zeiten fest. Das sorgt nur für Konflikte. 🙂

Tipp 6: Finde Übergangsobjekte

Oftmals hilft es auch, wenn du Brücken zwischen den Situationen baust. Wenn dein Kind gerade intensiv mit den Kuscheltieren spielt und ihr jetzt eigentlich zu Oma aufbrechen wollt, dann erlaube doch deinem Kind ein Kuscheltier auszuwählen und mitzunehmen.

Oft reduziert das den Bruch für dein Kind und den Trennungsschmerz von den Kuscheltieren.

Tipp 7: Integriere Rituale in den Alltag

Strukturen und Rituale reduzieren die Unsicherheiten im Alltag. Du kannst mit Ritualen Situationen deinem Kind ankündigen und es somit vorbereiten. Früher war dies beispielsweise das gemeinsame “Sandmann” schauen, bevor es ins Bett ging. Vielleicht gibt es eine kleine Lieblingsaktivität, die du dann mit regelmäßigen Situationen wie dem zu Bett gehen oder Waschen verknüpfen kannst.

Mit kleinen Schritten zu mehr Gelassenheit im Alltag

Du siehst, es gibt viele kleine Dinge, die helfen können, um die Übergänge für dein Kind sanfter zu gestalten. Ich habe dir auch kurz aufgezeigt, dass auch eure gefestigte Situation als Eltern, einen Einfluss auf den Alltag eures Kindes hat.

Falls du mehr erfahren möchtest, wie du Übergänge sanft gestaltest, empfehle ich dir das Buch “Übergänge verstehen und begleiten” (unbezahlte Werbung) oder auch meine Videoserie “Raus aus der Wutspirale”. Hier gehe ich intensiv darauf ein, welche Mythen es zu Wutanfällen bei Kleinkindern gibt und wie du sie vermeidest.

Deine Annika

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Hi, ich bin Annika, Expertin für frühkindliche Entwicklung und Spezialistin für die Beratung von Familien. Ich zeige dir, wie du dein Kind friedlich und bedürfnisorientiert durch die Autonomieentwicklung ("Trotzphase") begleitest.

Bedürfnisorientiert. Selbstbestimmt. Ganzheitlich.

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