Januar 25, 2021

Wutzwerg und Trotzkopf: Wie Deine Sprache die Negativspirale und Wutanfälle verstärken kann

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Es geht mir bei diesem Beitrag nicht um Political Correctness. Und es geht mir auch nicht darum, mit dem erhobenen Zeigefinger auf erschöpfte Eltern zu zeigen. Wer mich und meine Beiträge kennt, der/die weiß, dass mein Verständnis für Eltern sehr groß ist. Kinder können mit elterlichen Fehlern sehr gut umgehen und dennoch gesund aufwachsen, wenn Eltern die Verantwortung dafür übernehmen und sie sich eingestehen. Es zählt nicht bei Wutanfällen, immer perfekt zu agieren, aber gut genug. Doch trotzdem möchte ich aufzeigen, warum Deine Sprache und Deine Wortwahl einen wesentlichen Einfluss auf Wutanfälle und das Klima in Deiner Familie haben kann. Du wirst sehen, wie Du mit achtsamer Kommunikation dauerhaft vom Teufels- in einen Engelskreis wechseln kannst. An dieser Stelle möchte ich Dir auch meinen Beitrag zur Autonomieentwicklung empfehlen. Hier erfährst Du noch tiefere Hintergründe.

Die Abwendung von vorwurfsvollen “Du”-Botschaften hin zu beschreibend-fühlenden “Ich”-Botschaften haben wir hoffentlich inzwischen alle zumindest schon einmal gehört. Die Umsetzung, gerade bei Wutanfällen, ist dabei manchmal schwieriger, das weiß ich. Aber heute soll es trotzdem noch einen Schritt weitergehen. 

Du erfährst, warum es sinnvoll ist, auch in der beschreibenden Sprache weg von Bewertungen und hin zu Achtsamkeit und Neutralität zu kommen. 

Die Wirkung von Sprache ist mächtig

Sprache und unsere Wortwahl beeinflussen unsere Gedanken und unsere Wahrnehmung der Welt. Wenn ich von Kindern als “Tyrannen” spreche, impliziere ich einen manipulativen Willen, der eine böse Absicht voraussetzt. 

Wenn ich sage “Du bist zu wild” oder “er ist immer so schüchtern”, dann wirkt sich meine schnell daher gesagte Zuschreibung auf mein Bild vom Kind aus. Das gleiche gilt auch für das innere Selbstbild des Kindes. Die “Sapir-Whorf-Hypothese” beschreibt dieses Phänomen aus wissenschaftlicher Sicht in der linguistischen Relativitätstheorie. 

Das klingt vielleicht ziemlich kompliziert. Letztlich bedeutet es einfach übersetzt, dass ich durch meine geäußerte Sprache mein Denken und meine Wahrnehmung der Welt verändern kann. 

Ich kann mit achtsamer Wortwahl aber sowohl mein Denken und meine Wahrnehmung als auch eine Wirkung beim Gegenüber herstellen. 

Unsere Worte werden zur inneren Stimme unserer Kinder

Zu den Aussagen, die Kinder also so im Alltag schnell daher gesagt mitbekommen, gesellt sich immer noch eine eigene Interpretation eines Satzes hinzu. Was ich meine, kann mein Gegenüber komplett anders verstehen und interpretieren. Bei wiederholten Aussagen kann es sein, dass Kinder die Äußerungen, die sie von uns hören, in ihr Inneres integrieren. 

Vielleicht merkst Du das auch bei Dir selbst: Deine innere Stimme, Deine Lebensphilosophie speist sich zunächst aus Botschaften Deiner unmittelbaren Bezugspersonen, bei denen Du aufgewachsen bist. So entstehen die viel besprochenen Glaubenssätze. Ein Begriff, dem Du vielleicht schon mal begegnet bist. Vielleicht haben Dein Vater oder Deine Mutter häufig Dinge gesagt wie “Von nichts kommt nichts” oder “Wer den Pfennig nicht ehrt, ist die Mark nicht wert”. Solche eher lapidar gemeinten Sprichworte haben eine tiefe Bedeutung und Wirkung auf uns alle. Besonders Kinder können nicht unterscheiden, inwieweit eine Ernsthaftigkeit hinter der Botschaft steckt. Dadurch nehmen Kinder erstmal alles für “wahr”. Nach und nach werden auch Botschaften von Gleichaltrigen, Personen aus dem weiteren Umfeld sowie die eigenen Beobachtungen anderer Menschen Deines Umfelds immer bedeutender bei der Entstehung von Glaubenssätzen. Glaubenssätze können sowohl hilfreich und förderlich, aber auch belastend wirken.

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Was macht es also mit Dir und Deinem Kind, wenn Du es wiederholt abwertend Trotzkopf oder Tyrann nennst? 

Kleiner Disclaimer: Ich spreche hier nicht von der einmaligen Äußerung. Ich spreche von der genervt abwertenden Äußerung, die sich über einen längeren Zeitraum häufiger wiederholt.

Zwei Dinge können geschehen: In Dir multipliziert sich die Wahrnehmung der schwierigen, nervigen Situationen. Das verinnerlichte Bild vom Kind, was dich nervt und immer wieder an Deine Grenzen bringt, verstärkt sich. Durch Deine verstärkte (unbewusste) selektive Wahrnehmung hast Du das Gefühl, es werde immer schlimmer zuhause. Du hast das Gefühl Dein Kind macht eigentlich nur noch Dinge, die dich auf die Palme bringen. Ihr geratet in eine Negativspirale. Wutanfälle deines Kindes häufen sich. Und irgendwann ist es schwer, überhaupt noch schöne Momente wahrzunehmen.

Die zweite mögliche Folge, die mit der ersten eng zusammenhängt, ist das Selbstbild Deines Kindes. Es nimmt sich wahr als jemand, der/die nur alles falsch machen kann. Durch die vorausgegangen Konflikte, wiederholten Äußerungen im Streit und schmerzhaften Erfahrungen kennt sich Dein Kind bereits gut aus in diesem Teufelskreis. Letztlich kommt es dort nicht mehr alleine raus. Ein Kind, dass vor lauter Wut “Ist mir doch egal! Du blöde Kackmama” schreit, handelt bereits in diesem Teufelskreis / Schmerzmodus. 

Erst wenn wir mit achtsamer Kommunikation unserem Kind eine Chance geben, ein neues Bild von sich zu zeichnen, eine neue Facette zu zeigen, kann aus dem Teufelskreis ein Engelskreis entstehen. So verändert sich auch wieder unsere Wahrnehmung. Wir entdecken wieder häufiger die wertvollen gemeinsamen Momente und Eigenschaften unseres Kindes. 

Kostenlose Videoserie für einen entspannteren Umgang mit Wutanfällen

Ich möchte Dir mit diesem Artikel keine Angst machen: Es geht hier wie gesagt nicht um die einmalige “Im-Affekt-Äußerung”, sondern eher um Prozesse, wenn ihr bereits drin steckt in der Spirale und verzweifelt seid. Es gibt Möglichkeiten gemeinsam wieder aus der Negativspirale von Wutanfällen herauszukommen. Häufig helfen schon kleine Veränderungen eures Alltag und eures Blickwinkels.

Wenn Du mehr dazu wissen möchtest, melde Dich für meine Videoserie “Raus aus der Wutspirale” an und erfahre, wie Du Deinem Kind, Dir und Deiner Familie zu einem harmonischen Alltag verhelfen kannst. 

Wenn Du noch Fragen hast, schreib mir gerne einen Kommentar!

Deine Annika

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Hi, ich bin Annika, Expertin für frühkindliche Entwicklung und Spezialistin für die Beratung von Familien. Ich zeige dir, wie du dein Kind friedlich und bedürfnisorientiert durch die Autonomieentwicklung ("Trotzphase") begleitest.

Bedürfnisorientiert. Selbstbestimmt. Ganzheitlich.

Du bekommst hier und auf meinem Instagram Kanal @deine_familienbande jede Menge wertvolles Knowhow und Impulse für deinen Alltag