Wutanfälle, emotionale Ausbrüche und Zusammenbrüche sind im Alter zwischen 1 und 4 Jahren, in der sogenannten „Trotzphase“, an der Tagesordnung. Vielleicht gerätst du auch in eine dumme Tirade aus Beschimpfungen und Strafen, die du eigentlich gar nicht aussprechen wolltest. „Wenn du jetzt nicht kommst, gibt es heute Abend keine Gutenachtgeschichte!!!“ Wir haben wahrscheinlich alle schon einmal solche unbedachten „Wenn-dann“-Sätze gesagt, und wir lesen immer öfter, dass wir sie nicht sagen sollten. Aber manchmal sind es deine eigene Erschöpfung, Überforderung, Hilflosigkeit oder der Alltagsstress, die dazu führen, dass du plötzlich anfängst zu schreien. Und natürlich der Mangel an Alternativen, denn die Frage ist: Wie gehe ich damit um?
Erfahre in dieser Folge, wie du Wenn-Dann-Drohungen vermeidest:
- Warum greifst du immer wieder auf „Wenn-dann“-Drohungen zurück?
- Warum sind sie eigentlich nicht sinnvoll?
- Wie Du mit Konflikten mit deinem Kind anders umgehen kannst
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Contents
Eltern zu sein ist wirklich toll. Doch übrigens: Das Wissen darüber, wie Eltern sein "geht", fällt einem nicht einfach so vom Himmel. Früher hatte man einfach mehr Vorbilder und mehr Menschen aus der Familie, die einem nahestanden und sich an der Kinderbetreuung beteiligten. Heute sind viele Familien oft „allein“ als Paar für die Kinderbetreuung verantwortlich. Das bedeutet oft, dass man als Elternteil eines kleinen Kindes schnell an seine Grenzen stößt.
Wutanfälle und emotionale Ausbrüche, Zusammenbrüche sind im Alter von 1 bis 4 Jahren oder sogar noch später einfach an der Tagesordnung. Vielleicht gerätst du auch in eine wenig hilfreiche Tirade aus Beschimpfungen und Strafen, die du eigentlich gar nicht wollte. „Wenn du jetzt nicht kommst, gibt es heute Abend keine Gutenachtgeschichte!!!“ Manchmal sind es deine eigene Erschöpfung, Überforderung, Hilflosigkeit oder der Alltagsstress, die dazu führen, dass du plötzlich anfängst zu schreien.
Viele Eltern und Fachkräfte fühlen sich so
Ich kenne das auch. Ich weiß noch, wie ich vor ein paar Jahren mal als Teilnehmerin in einer Gruppen-Supervision mit Video-Interaktionsberatung saß.
Wir haben uns ein Video angeschaut, in dem eine andere Teilnehmerin ihren kleinen Patienten (sie war Physiotherapeutin) bei einem ziemlich krassen Wutanfall in der Kita begleitet hat. Im Video zu sehen war die Not, die Hilflosigkeit der Fachkraft und des Kindes. Die beiden waren verstrickt in Wut und starken Emotionen, in Schimpfen und “Wenn-Dann”-Formulierungen. Auch Fachkräften geht es manchmal nicht anders. Denn obwohl man es angeblich besser weiß, oder rein theoretisch besser weiß, sind wir halt doch alle Menschen und keine Maschinen!
Es ging um die Frage, wie sie sich alternativ verhalten wollte.
Die Dozentin stellte irgendwann die entscheidende Frage:
“Willst Du denn seinen Willen brechen?”
Nein! Natürlich wollte sie das nicht! Eigentlich möchte das doch keiner von uns. Eigentlich wollen wir doch gar nicht unsere Macht spielen lassen, um den Wutanfall zu beenden, doch manchmal passiert es einfach.
Doch in dieser Dynamik eines Wutanfalls ist man manchmal gefangen in seiner eigenen Hilflosigkeit. Man will einfach, dass es friedlich ist, dass das Kind aufhört zu schreien und dass man in Ruhe gemeinsam den schönen Ausflug o.ä. genießen kann.
Und dann kommen die Strafen, das gegenseitige Anschreien und die Wenn-Dann-Sätze.
Ein kurzer Ausflug, wann “Wenn-Dann”Sätze ein Problem sind...
Es ist kein Problem, wenn du deinem Kind etwas erklären willst, was logisch oder naturgegeben ist. Wenn das Glas runterfällt, zerbricht es. Oder auch: Wenn du jetzt lieber draußen spielen möchtest, haben wir keine Zeit mehr, um gemeinsam zu lesen.
Hier gibst du deinem Kind im Prinzip die Wahl und die Möglichkeit zur Mitbestimmung und stärkst quasi die Selbstwirksamkeit. Soweit okay, oder?
Kontraproduktiv wird es dann, wenn wir aus eigener Hilflosigkeit und Überforderung versuchen, das Verhalten des Kindes mit Wenn-Dann-Sätzen zu manipulieren und zu beeinflussen:
Wenn du nicht endlich reinkommst, gibt es keine Gute-Nacht-Geschichte mehr!
Wenn du nicht kommst, gehe ich ohne dich!
Oder noch unspezifischer: Wenn du das noch einmal machst, dann ist aber was los!
Gerade beim letzten Beispiel wird es deutlich: Nachtigall, ick hör dir trapsen und mit dir den faden Beigeschmack der Drohung und Manipulation und Bestrafung.
Wir nutzen unser Machtgefälle aus und hoffen so auf die Kooperation des Kindes.
Das Gegenteil ist der Fall: Wir zerstören damit die Bereitschaft zur Kooperation und das Verhalten des Kindes ist von Angst und nicht von Vertrauen geprägt. Und irgendwann wird das Kind wahrscheinlich sagen: Ist mir scheißegal!
Zurück zum Beispiel:
Durch das Video und die gezielte Frage der Dozentin (Willst du denn seinen Willen brechen?) haben wir alle verstanden, dass es eigentlich um was anderes geht: Die Not des Kindes zu sehen und dass das Kind gerade nicht anders kann. Dass es uns als Erwachsene braucht, um da gut durchzukommen.
Doch auch wir Erwachsene brauchen manchmal Unterstützung, um Kinder liebevoll begleiten zu können. In uns ist sehr tief verankert, dass das Kind hier seinen Willen durchsetzen will und bezwungen werden muss.
Dein Kind ist kein Tyrann. Der Tyrann existiert nur in deinem Kopf
Doch der kleine Tyrann, den wir da angeblich vor uns sehen, der existiert nur in unserem Kopf und in unserem “Bauchgefühl”. Manchmal unterstellen wir Kindern ungerechte Absichten: Unser Bauchgefühl sagt uns, dass das Kind uns extra triezt und provoziert.
Dieses trügerische Bauchgefühl setzt sich zusammen aus implizitem Wissen und eigenen und übertragenen Erfahrungen. Beides bringen wir mit aus dem Umgang mit Kindern von Generationen über Generationen von Menschen.
Und eine weitere entscheidende Sache kommt hier zum Vorschein: Wenn wir das Gefühl haben, das Kind will uns “bis aufs Blut provozieren”, dann fühlen wir das im Gehirn ganz grob gesagt in dem selben Areal, in dem wir auch körperlichen Schmerz empfinden.
Und diesen Schmerz wollen wir natürlich abstellen und empfinden eine Art kurze “Genugtuung”, wenn wir mit Machtausübung reagieren. Doch das ist nicht notwendig und nicht nachhaltig.
Das Grundwissen über den Umgang mit Kindern und Babys haben wir zum Beispiel damit erworben, indem mit uns selbst als Kind „umgegangen“ wurde.
Auch wenn wir uns nicht immer bildlich erinnern, haben wir ein körperliches Gedächtnis, dass sich erinnert, wie wir als Kind erzogen wurden. Unser Bauchgefühl ist also unbewusstes Wissen, das sich bemerkbar macht, wenn wir selbst ein Kind versorgen möchten.
Folge nicht diesen alten Glaubenssätzen
Das Bild vom Kind als unbändiger Tyrann, der uns mit freiem Willen beherrschen will, ist aus unserem kollektiven gesellschaftlichen Gedächtnis heraus entstanden und zu Glaubenssätzen geworden. Vielleicht erinnerst Du dich an meinen Artikel über Glaubenssätze und wie mächtig sie wirken können. Lies hier nochmal nach!
„Es ist ganz natürlich, dass die Seele ihren Willen haben will, […]. Diese ersten zwei Jahre haben unter anderem auch den Vorteil, dass man da Gewalt und Zwang gebrauchen kann. Die Kinder vergessen mit den Jahren alles, was ihnen in der ersten Kindheit begegnet ist.“
Johann Georg Sulzner, 1748
Dieses Zitat zeigt nochmal den Grundgedanken schwarzer Pädagogik auf: Den Kindern muss mit Rute und Anschreien der Eigensinn vertrieben werden.
Und dieser Grundgedanke ist - wenn auch abgeschwächt - bei vielen Erwachsenen immer noch verankert. Unsere Urgroßeltern, Großeltern und Eltern wurden als Kind aus diesem Blickwinkel heraus betrachtet, und diese Sicht fühlt sich irgendwie vertraut an.
Halte inne und schaue wie es deinem Kind wirklich in dem Moment geht
Wenn Du also in die Situation gerätst, dein Kind anzuschreien und zu fühlen, dass du deinem Kind irgendwie eine Absicht unterstellst: Mach Dir keine Vorwürfe!
Du bist deswegen kein schlechter Mensch!
Es ist wichtig, dass Du beginnst, dieses Denkmuster zu erkennen. Nur so kannst Du langfristig aus den Drohungen und den „Wenn-dann“-Mustern herauskommen.
Wenn du das nächste Mal das Gefühl hast, dass dein Kind etwas anderes im Sinn hat als du und du wütend wirst, höre in dich hinein. Was sagt deine innere Stimme? Will dein Kind dich auf die Nerven bringen? Macht es das absichtlich? Will es sich "daneben benehmen" oder ist es in Not?
Halte inne. Warte einen Moment und beobachte, was dein Kind tut. Vertraue darauf, dass es eigentlich keine bösen Absichten hat.
Wenn auch Du dich darauf einlassen möchtest, Kinder bei heftigen Wutanfällen liebevoll zu begleiten – ohne Drohungen, Strafen und unlogische Konsequenzen –, dann melde Dich für meinen Live-Workshop am 29. oder 30. September 2021 um 20:30 Uhr an! Hier lernst Du, wie Sie konsequent liebevoll sein kannst, ohne zu bestrafen!
Ich freue mich auf Dich!
Deine Annika



