November 21, 2022

Belohnungen: Top oder Flop?

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Intro:

  • Loben und  Belohnungen werden entweder total verteufelt oder als DEN Weg der Wahl anstatt zu bestrafen dargestellt. Doch das Thema ist komplexer und es gibt einen Mittelweg, um eine eigene Haltung zu Loben, Belohnung und Bestrafung zu entwickeln. 

Das erfährst du in dieser Folge:

  • Wie Belohnungen und Lob wirken können
  • Wie Belohnungssysteme grundsätzlich funktionieren
  • Die Risiken  von Belohnungssystemen
  • Wie du Belohnungen verantwortungsbewusst einsetzen kannst
  • Impulse für die Verwendung von Lob und Belohnung

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Inhalt:

  • Belohnungssysteme mit Punkten werden immer mal wieder als sinnvolle Lösung bei Erziehungsproblemen dargestellt. In manchen Elternkursen werden Belohnungssysteme vorgeschlagen und auch im sogenannten “Class Room Management” in der Schule ist es mir bereits begegnet. Gutes, erwünschtes Verhalten wird durch Punkte verstärkt und unerwünschtes Verhalten soll ignoriert werden und schon haben wir einen angenehmen Alltag? So einfach ist es leider nicht. Doch wie sinnvoll sind Belohnungssysteme?
  • So ganz eindeutig kann die Frage der Sinnhaftigkeit nicht mit Ja oder Nein beantwortet werden. Doch effektiv sind sie häufig, jedoch zu einem gewissen Preis. Daher sollten wir uns beim bzw. vor dem Einsatz von Belohnungssystemen über die Risiken und Nebenwirkungen informieren. 😉

Ich erkläre dir in dieser Folge:

  • Wie Belohnungen und Lob wirken können
  • Wie Belohnungssysteme grundsätzlich funktionieren
  • Die Risiken  von Belohnungssystemen
  • Wie du Belohnungen verantwortungsbewusst einsetzen kannst
  • Impulse für die Verwendung von Lob und Belohnung

Belohnen und Loben kann abhängig machen

Ich habe schon einmal in einer Podcastfolge über das Thema “Loben” gesprochen. Ich bin kein Fan von überschwänglichem inflationären Lob für Kinder, denn das kann die innere Motivation einfach stören. Aber ich würde Loben auch niemals verteufeln und vor allem spricht nichts dagegen, sich ehrlich füreinander zu freuen, wenn etwas gelungen ist. Es sollte uns trotzdem bewusst sein, dass Loben manipulativ eingesetzt werden kann und manchmal auch einfach manipulativ wirkt. Es gibt einen Unterschied dabei, sich gemeinsam über einen neuen Erfolg zu freuen und ein gemaltes Bild überschwänglich positiv zu loben und so zu bewerten. Denn was wir nicht wollen, ist, das Kinder von unserem Lob abhängig werden. Ich verlinke euch die dazugehörige Podcastfolge, wo ich das nochmal erkläre, in den Shownotes!

Wie wirken Belohnungen? 

  • Hier wirken entwicklungspsychologisch ähnliche Mechanismen wie beim Loben. Kinder haben einen inneren Motor für ihre Entwicklung und brauchen gar kein Lob und schon gar keine Belohnung für etwas, was sie wirklich erreichen möchten. 
  • Die innere Motivation kann unheimlich stark sein und ist eigentlich wirksamer als die Motivation von außen. 
  • Kinder wollen selbstständig werden und Kinder wollen lernen. Das Gehirn schüttet Glücksgefühle aus, wenn sie ein Erfolgserlebnis haben, wenn sie etwas wirklich alleine geschafft haben, was sie lange probiert haben und was sie sich sehr gewünscht haben. 
  • Wenn Kinder Motivation von außen erleben, also z.B. Schokolade oder bewertende Worte für etwas geschenkt bekommen, als Belohnung, wird ebenfalls Dopamin ausgeschüttet und Glücksgefühle entstehen - diese Form von Dopaminausschüttung ist allerdings weniger nachhaltig und wirkt weniger langfristig. 
  • Echte Freude über einen Erfolg aus der eigenen inneren Motivation heraus lässt das Selbstwertgefühl viel stärker wachsen als ein Lob oder eine Belohnung einer Bezugsperson. 
  • Das tückische daran? Kinder können abhängig von der Bewertung ihrer Bezugspersonen werden, denn sie orientieren sich an uns. Das ist einer der größten Kritikpunkte am Loben und Belohnen. 

Wie funktionieren Belohnungssysteme?

  • Manche Familien führen Belohnungssysteme ein, um ein gewünschtes Verhalten zu erreichen. In einigen therapeutischen Settings mit Kindern mit sehr herausforderndem Verhalten werden ebenfalls Belohnungssysteme eingesetzt und können durchaus sinnvoll sein. 
  • Ein Belohnungssystem könnte z.B. so aussehen, dass es für bestimmte Zusatzaufgaben kleine Belohnungen gibt, vielleicht können Kinder Punkte sammeln, die sie dann für etwas einlösen können. Ich möchte hier nicht darüber entscheiden, ob so ein System sinnvoll, legitim oder ähnliches ist. Ich möchte es nicht verteufeln und euch die Vor- und Nachteile aufzeigen, damit ihr für euch entscheiden könnt. 
  • Ein Belohnungssystem mit Punkten macht - wenn überhaupt - eher für ältere Kinder im Vorschul- oder Grundschulalter Sinn.

Was sind die Vorteile und Nachteile bzw. Risiken davon?

  • Gewöhnungseffekt: Manchmal nutzen sich Belohnungen ab und die Erwartung wird immer höher, schneller, weiter. 
  • Da reicht dann plötzlich der Zoo-Besuch oder der Tonie nicht mehr aus und es müssen größere Anreize geschaffen werden. 
  • Erwartungshaltung: Es besteht die Gefahr, dass ein Kind  nur noch etwas tut, um etwas dafür zu bekommen. Das heißt, die innere Motivation wird nach und nach negativ beeinflusst und Kinder fragen immer häufiger, was sie denn dafür kriegen, wenn sie etwas tun, was vorher vielleicht noch selbstverständlich war.
  • Echte Wertschätzung rückt in den Hintergrund: Echte Wertschätzung für Handlungen und Eigenschaften einer Person rücken bei inflationärer Verwendung von Belohnungen und auch Lob in den Hintergrund. Kinder erwarten regelrecht, bewertet zu werden und es besteht die Gefahr, dass vieles, was Erwachsene gegenüber Kindern äußern, eine Wertung und eine Erwartung an das Kind enthält.
  • Belohnungen zu entziehen kommt einer Bestrafung gleich: Ein häufiges Problem bei Belohnungen ist z.B., dass wir nur schwer wieder davon wegkommen. Wenn es funktioniert und das ursprüngliche Problem nicht mehr existent ist, kommt der “Entzug” der bisher verdienten Belohnung plötzlich einer Bestrafung gleich.
  • Du kannst es vielleicht nachfühlen, wenn du dir vorstellst, du würdest ein Ehrenamt machen. Du machst es freiwillig und empfindest Freude dabei. Nach einiger Zeit wird entschieden, dass du für deine Arbeit vergütet werden sollst. Cool! Du hast noch mehr Freude an der Sache, weil du durch die Vergütung noch mehr Motivation empfindest. Plötzlich reicht das Geld des Vereins nicht mehr und jegliche Vergütung wird gestrichen. Wie geht es dir nun dabei, wenn du plötzlich nicht mehr bezahlt wirst?
  • Niedergeschlagen. Wenn Kinder sich an Lob und Belohnung gewöhnen, kann es sein, dass sie wirklich niedergeschlagen sind, wenn sie es nicht erhalten, da sind wir wieder bei der Erwartungshaltung.
  • Belohnungssysteme können Neid, Konkurrenzen und Eifersucht schüren, z.B. unter Geschwistern, aber auch in der Schule.

Manchmal sind Belohnungen auch gar nicht wirksam:

  • wenn sie zeitlich gesehen zu weit entfernt sind
  • wenn das Kind bereits eh nicht an sich glaubt und die Belohnung so unerreichbar scheint
  • wenn das Kind sich die Belohnung nicht wirklich wünscht
  • wenn das Kind spürt, dass es mit der Belohnung beeinflusst werden soll

Können Belohnungen auch Vorteile haben und sinnvoll sein?

  • Ich habe nun viele Nachteile und Risiken von Belohnungen und entsprechenden Systemen beschrieben. 
  • Ganz grundsätzlich gilt, dass Belohnungen sparsam eingesetzt werden sollten. 
  • Um mit Belohnungen zu “arbeiten”, sollte für Kinder klar sein: Es gibt nur Belohnungen für besondere Zusatzaufgaben und nicht für selbstverständliche Pflichten. Dazu sollten natürlich vorher Rahmenbedingungen im Haushalt z.B: allen klar sein, also dass jedes Haushaltsmitglied dazu beiträgt, dass das Familienleben funktioniert. Solche Pflichten können schon 3-jährige angepasst übernehmen. 
  • Belohnungen sollten also nicht für Pflichten eingesetzt werden, sondern wenn etwas “Oben drauf” dazukommt. Sie sollten sofort erfolgen, damit sie “bemerkt” werden und für das Kind wirklich wünschenswert sein.
  • Ich finde Belohnungen erst frühestens ab Vorschulalter sinnvoll, wenn mit den Kindern schon Dinge verhandelt und vereinbart werden können.

Als Beispiel wäre da zu nennen, wenn ein Kind z.B. aus physiotherapeutischen Gründen täglich Übungen machen muss, die nur schwer spielerisch gemacht werden können. Da könnte z.B. mit dem Kind vereinbart werden, dass es sich für die 15 Minuten Übung täglich direkt darauf eine schöne gemeinsame Aktivität mit dem Elternteil aussuchen kann, z.B. etwas lesen oder was gemeinsam backen.

Der Vorteil hieran ist, dass hier eine Vereinbarung mit dem Kind getroffen wird und kein Trick oder ähnliches erfolgt, um das Kind zu manipulieren.

Ihr hört schon: Das Thema ist sehr komplex. Viel komplexer, als einfach zu sagen “Loben und Belohnungen sind schädlich und sollten nicht verwendet werden”.

Impulse für die Verwendung von Belohnungen und Lob

Als Leitimpulse möchte ich euch mitgeben:

  • Wenn euer Kind ein Verhalten zeigt, was ihr nicht haben möchtet für euer Zusammenleben und ihr mit dem Gedanken spielt, ein Belohnungssystem einzusetzen: Schaut bitte zuerst hinter das Verhalten. Warum tut ein Kind das? Welches Bedürfnis steckt dahinter und wie kann das erfüllt werden?
  • Wenn ihr belohnen möchtet, dann erfüllt eurem Kind einen echten kleinen Wunsch für eine Zusatzaufgabe, die nicht selbstverständlich ist.
  • Echte Wertschätzung und spumante Äußerungen von Anerkennung sind nicht mit Erwartungen an euer Kind verknüpft. 
  • Freut euch miteinander über Erfolge, anstatt alles zu bewerten.
    • Das heißt z.B. konkret, wenn euer Kind euch ein Bild zeigt, einfach mal zu fragen: Was hast du gemalt? Ich mag die Farben, z.B. das Blau hier. Welche Stifte hast du benutzt? Wie gefällt es dir selbst?

Im Januar startet spontan eine neue kleine Runde von “Kleine Menschen mit großen Gefühlen - Gefühlsstürme gemeinsam meistern”. Dort lernst du, dein Kind und sein Verhalten wirklich zu verstehen und auch zu verstehen, was das selbst mit dir macht.

Trag dich doch gern auf die Warteliste ein, um den Start nicht zu verpassen!

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Hi, ich bin Annika, Expertin für frühkindliche Entwicklung und Spezialistin für die Beratung von Familien. Ich zeige dir, wie du dein Kind friedlich und bedürfnisorientiert durch die Autonomieentwicklung ("Trotzphase") begleitest.

Bedürfnisorientiert. Selbstbestimmt. Ganzheitlich.

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