September 6, 2021

8 Tipps zum Zähneputzen ohne Zwang

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Zähneputzen, Haare waschen und kämmen, wickeln… in vielen Familien besonders in der “Trotzphase” immer wieder einfach nur ein Kampf. Du kennst das sicherlich: Man stellt sich quasi auf den Kopf und macht sich zum Hampelmann, um es möglichst friedlich über die Bühne zu bringen... oder man gerät in eine Situation, die man nie wollte: Plötzlich übt man seine körperliche Macht über das eigene Kind aus und hält es fest. In der Verzweiflung, dass nichts anderes geholfen hat. Gerade in der Phase der Autonomieentwicklung, wenn Kinder alles selbst bestimmen wollen, ist diese Zeit schwierig. Und irgendeine Stimme im Hinterkopf sagt einem ja vielleicht auch: Hier musst du dich jetzt durchsetzen, damit das Kind das halt lernt und nicht verinnerlicht, dass Zähneputzen mal gemacht wird und mal nicht.

Das erfährst du in dieser Folge:

  • Wieso finden Kinder solche pflegerischen Tätigkeiten wie Zähneputzen eigentlich so schrecklich? 
  • Was passiert, wenn wir uns hierbei einfach durchsetzen? 
  • Wie können wir ihnen vermitteln, dass es wichtig ist für ihre Gesundheit (können wir das überhaupt?) und wie können wir es trotzdem hinkriegen oder wenigstens gelassener werden?
  • Mit welchen 8 Tipps gelingt ein Zähne putzen ohne Zwang.

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Inhalt

“Ja, klar versuchen wir immer, liebevoll auf ihn einzugehen. Doch Zähneputzen muss halt sein. Es ist leider immer wieder ein Kampf!”

Doch warum ist das so? Warum ist Zähneputzen, Wickeln oder wahlweise auch Haare waschen und kämmen für Kinder manchmal so ein Graus? Wir wollen doch nur das allerbeste für sie.

Dazu gehört natürlich, dass wir unsere Verantwortung für ihre Gesundheit wahrnehmen und manchmal halt Entscheidungen treffen müssen, die Kinder nicht treffen können.

Kinder können den Nutzen des Zähneputzens noch nicht verstehen

Wie zum Beispiel die Entscheidung, sich die Zähne putzen zu wollen. 

  • Die Entscheidung über körperliche Unversehrtheit und Gesundheit können Kinder noch nicht treffen, wenn es Zeit wird, sich die Zähne zu putzen.
  • Unseren Kindern fehlt sowohl die Weitsicht (wenn ich das nicht mache, kriege ich Karies und werde Schmerzen haben) als auch der kurzfristige Nutzen der Situation.
  • Sie haben ja nichts davon, dass sie geputzte Zähne haben. 
  • Der Mund ist ein sehr sensibler Bereich und Kinder nehmen Empfindungen und Berührungen dort sehr intensiv wahr und das wollen sie kontrollieren. Das tun sie auch, indem sie z.B. ihren Mund zupressen.
  • Kinder können auch noch nicht verstehen, dass nur eine regelmäßige Handlung einen Benefit für ihre Gesundheit haben wird. 
  • So geht es uns ja auch manchmal, wenn wir Süßigkeiten vermeiden wollen oder wieder mehr Sport machen wollen.
  • Wir wissen, dass es uns für die Zukunft was bringt, dass es uns nützt. Reduzierter Zuckerkonsum hat einen positiven Nutzen für die Gesundheit, doch der ist schwer erlebbar, wenn man einmal auf das Snickers verzichtet.
  • Oder ich gehe einmal joggen. Dann war das bestimmt gut für meine Gesundheit, aber die erste Folge davon wird wahrscheinlich schmerzhafter Muskelkater sein. Um einen langfristigen Nutzen zu haben, muss ich eine Gewohnheit etablieren. Und das gelingt nur, wenn ich kognitiv schon verstehe, warum das gut sein könnte.
  • Erstmal sind Zähneputzen, Haare waschen etc. nur unliebsame Aktionen, die jemand AN IHNEN ausführt, um etwas potentiell unangenehmes zu vermeiden

Kinder leben im Hier und Jetzt

  • Kinder leben aber total im Hier und Jetzt. Es ist ihnen noch nicht möglich, sich vorzustellen, dass Karies oder ein wunder Po auf Dauer schmerzhaft sein könnten.
  • Zähne putzen, Wickeln, Haare waschen sind alles pflegerische Tätigkeiten, die sehr körperlich NAH sind.
  • Wie fühlst du dich beim Zahnarzt oder bei der Zahnärztin? Wenn jemand dir mit einem unbekannten Gegenstand in den Mund geht, musst du dieser Person vollständig vertrauen.
  • Du vertraust ihr deinen Körper an und sehr intime Stellen an.
  • Das erfordert also von uns einen absolut achtsamen und vorsichtigen Umgang mit diesen Körperstellen.

Sich die Zähne putzen zu lassen erfordert viel Vertrauen

  • Wie gesagt: Der Mund und die Mundhöhle ist eine sehr sensible Stelle. Wir Erwachsenen üben mit der Zahnbürste Druck auf und können auch nicht wissen, wo etwas wehtut - das macht die ganze Sache noch schwieriger und umso wichtiger, dass wir sehr vorsichtig sind.
  • Kinder vertrauen uns, wenn sie sich die Zähne putzen lassen, denn sie geben uns die Kontrolle über ihren Körper in unsere Hand und ganz ehrlich? Dieses Vertrauen müssen wir uns erarbeiten. Natürlich wäre es schön, wenn es leicht von der Hand ginge.
  • Alle pflegerischen Tätigkeiten wie Wickeln und Zähneputzen sind also absolute Vertrauenshandlungen und Kooperationsleistungen.
  • Es muss für das Kind eine angenehme oder zumindest gut aushaltbare Situation sein, damit diese Handlung nicht mit Erfahrungen und Erinnerungen verknüpft , die es dem Kind ein Leben lang schwierig macht, sich jemandem anzuvertrauen.

Kinder zum Zähneputzen zu zwingen ist keine Lösung

  • Es gibt Menschen, die empfehlen, ein Kind festzuhalten. Dazu gehöre ich nicht. 
  • Das ist Gewalt am Kind und ein absoluter Vertrauensbruch dem Kind gegenüber. 
  • Denn Kinder lassen uns sowas wie Wickeln, Zähneputzen etc. überhaupt nur an sich machen, weil sie uns vertrauen! 
  • Denn sie können gar nicht beurteilen, dass das jetzt gut und wichtig ist. 
  • Wie gesagt, für sie fühlt es sich erstmal nur wie eine meist unangenehme Aktion, die jemand an ihnen ausführt.
  • Zähneputzen hat also ganz viel mit Kooperation und Vertrauen zu tun.
  • Rituale und Gewohnheiten sind hilfreich fürs Kind, aber manchmal funktioniert es nicht nur weil wir es jeden morgen und abend durchdrücken wollen.
  • Manchmal müssen wir kreativ sein, um diese Aktion hinzukriegen. Das bedeutet, dass sie vielleicht nicht unbedingt an eine Tageszeit gebunden ist, in der das Kind eh nicht super kooperationsbereit weil z.B. noch todmüde und im Halbschlaf ist.
  • Andererseits kann gerade der Halbschlaf auch genau das sein, was funktioniert und das ist dann ja auch ok. Ich weiß, manche schreien jetzt auf, denn Pflegehandlungen im Halbschlaf durchzuführen, wenn das Kind es nicht richtig mitkriegt ist auch nicht die feine englische Art, aber für mich immer noch das kleinere Übel als ein schreiendes Kind gegen seinen Willen zu fixieren.
  • ich habe ein bisschen recherchiert, was denn zum Beispiel Zahnarztpraxen empfehlen, wie man die Kinder ans Zähneputzen heranführen sollte.
  • Eine Praxis empfahl wie gesagt, das Kind zwischen den Oberschenkeln zu fixieren und den Kopf so festzuhalten. So fixiert würde das ganze höchstens eine halbe Minute dauern und das dürften Eltern machen, weil sie ja Vertrauenspersonen seien und weil Kinder ja sonst ihre Grenzen austesten und ihren Willen kriegen würden.
  • Keine Frage, ich finde Zähne putzen absolut wichtig, aber die Kinder gegen ihren Willen zu fixieren und auszunutzen, dass ich stärker bin, setzt ihr Vertrauen absolut aufs Spiel.
  • Meiner Ansicht nach lernen Kinder dadurch: Die Person, der ich am meisten vertraue, übergeht mein “Nein” und führt Handlungen an meinem Körper aus, die ich nicht einordnen kann. Stell dir vor, jemand würde deine Arme fixieren, deinen Mund, den du zupresst, am Kiefer aufdrücken und dann mit einem Gegenstand in deinen Mund gehen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar und das gilt auch für Kinder!

  • Ich weiß, dass es anstrengend ist, sein Kind zum kooperieren zu bewegen. Aber ein Kind zu fixieren ist nicht weniger anstrengend, setzt die Beziehung aufs Spiel und keiner der Beteiligten fühlt sich gut dabei!! So wird Zähneputzen zum absoluten Hassthema des Kindes.
  • Bei meiner Recherche habe ich auch viele Geschichten von inzwischen älteren Menschen gefunden, die berichten, dass sie genau aufgrund dieses Zwangs ein riesiges Problem entwickelt haben, Zähne zu putzen und dadurch Zahnkrankheiten entwickelt haben.

8 Tipps für Zähne putzen ohne Zwang

Lass uns jetzt mal dahin kommen, was du tun kannst, wenn ihr gerade eine Phase habt, in der sich dein Kind verweigert. 

Tipp 1: Schließe medizinische Probleme aus

  • Zuerst: Geh mit deinem Kind zum Zahnarzt und lass abklären, ob es medizinische Probleme gibt. Vielleicht hat dein Kind eine Entzündung im Mund, mehrere Zähne brechen durch o.ä. sodass Zähne putzen gerade einfach sehr weh tut. Wenn es eine solche Erklärung gibt, weißt du immerhin schon, dass du noch vorsichtiger sein musst.

Tipp 2: Sei ein Vorbild und putze in Anwesenheit deines Kindes deine Zähne

  • Deine Vorbildfunktion ist natürlich extrem wichtig! Sieht dein Kind, dass du dir zweimal täglich mind. 3 Minuten die Zähne putzt?

Tipp 3: Nutze thematisch passende Kinderbücher

  • Es gibt tolle Kinderbücher, die erklären, warum Zähne putzen notwendig ist. Bau diese in den Alltag ein und bringe so deinem Kind das Zähneputzen immer wieder näher.

Tipp 4: Verbinde das Zähneputzen mit einem Lied!

  • Durch Lieder wird das Zähneputzen mit etwas Schönem verbunden. Es gibt beispielsweise auf Spotify die Playlist "Zähneputzen Kinderlieder"

Tipp 5: Achte darauf, dass das Kind nicht zu müde ist

  • Wenn du es in euer Abendritual einbaut: Achte darauf, dass dein Kind noch nicht zu müde ist. Sonst wird jede Tätigkeit, egal ob wickeln, waschen oder Zähneputzen anstrengend für dein Kind und mit quengeln kommentiert.  
  • Putze zu anderen Tageszeiten und in anderen Situationen! Abends und morgens ist die Kooperationsquelle fast schon aufgebraucht, weil die Kinder so müde sind.

Tipp 6: Werde kreativ

  • Spielen & Nachahmung sind hier die Schlüsselbegriffe, die euch zuhause über die schwierigen Phasen hinweg helfen können. 
  • Kreativ werden ist angesagt: Du kannst z.B. ein Schmuseritual erfinden: Ein Kuss auf die Stirn, einer auf die Nase und die Zahnbürste möchte mit den Zähnen schmusen. 
  • Lass die Zahnbürste dabei sprechen! “Hey, ich möchte mit euch kuscheln! Darf ich reinkommen?”
  • Die Zahnbürste kann auch Monster verjagen oder Essensreste suchen. Erweckt sie zum Leben und denkt euch lustige Geschichten aus!

Tipp 7: Probiere unterschiedliche Zahnbürsten aus

  • Probiere außerdem unterschiedliche Zahnbürsten und Zahnpasten aus, aus denen dein Kind am Tag auswählen kann. Dann ist zumindest einmal klar fürs Kind: Zähneputzen an sich ist nicht verhandelbar, aber du kannst mitbestimmen, welche Zahnbürste und Paste verwendet wird!
  • Vielleicht ist die Zahnbürste zu hart oder die Zahnpasta zu scharf und schmeckt nicht.

Tipp 8: Schaut einen kleinen Film

  • Vielleicht könnt ihr auch einen kleinen Film auf eurem Handy anmachen, der nur beim Zähneputzen geschaut werden darf. Für mich persönlich gilt hier: Der Zweck heiligt die Mittel.
  • Zum Thema Kontrolle: Kinder machen sehr häufig am Tag die Erfahrung, dass sie Situationen einfach mitmachen müssen und wenig Kontrolle und Macht haben. Versuche also mal, deinem Kind so viel Kontrolle über die Situation oder auch stellvertretend in anderen Momenten des Tages zurückzugeben. Mitbestimmen lassen, wo immer es geht. “Möchtest du diese oder jene Mütze? Wo sollen wir wickeln? Du darfst den Ort aussuchen! Wir gehen jetzt dahin. Soll ich dich tragen oder möchtest du laufen?” 

Riskiert nicht das Vertrauen eurer Kinder

  • Ich weiß, ich war gerade sehr deutlich und rigoros, aber Kinder werden viel zu häufig so behandelt, dass sie erfahren, dass ihr “Nein” in Bezug auf ihren Körper nichts wert ist.
  • Und denke diesen Aspekt bitte einmal weiter: Möchtest Du, dass dein Kind verinnerlicht, dass ihr “Nein” von einer Bezugsperson übergangen wird? Was könnte das bedeuten, wenn dein Kind ein Teenager oder eine junge erwachsene Person wird? Ich möchte mir nicht vorstellen, in welche Situationen mein Kind geraten könnte, wenn es verinnerlicht hat, dass Grenzen setzen nichts bringt.
  • Also, einmal zusammengefasst: Beim Zähneputzen geht es um Kontrolle, Vertrauen und Kooperation.
  • Am besten hilft wohl wirklich die eigene Flexibilität. was den Zeitpunkt und auch den Ort des Zähneputzens angeht. Lass dein Kind so viel wie möglich selbst mitbestimmen und drück auch mal ein Auge zu, wenn der eine Zahn hinten-links nicht perfekt geputzt ist. Davon geht die Welt nicht unter und von 1-2 Mal entwickelt sich bestimmt auch noch kein Karies.
  • Wir wollen ja, dass unsere Kinder uns langfristig vertrauen und auf unser Wissen und unsere Erfahrung bauen.

In diesem Sinne: Bitte verzweifle nicht zu sehr daran. Es geht vorbei. Wenn das Thema Autonomieentwicklung und der Drang nach Selbstbestimmung ein Stück weit “abgeschlossen” ist, wird auch dein Kind dem Zähneputzen wieder offener gegenüber sein.

Möchtest du mehr zum Thema Autonomieentwicklung deines Kindes erfahren sowie dein Kind gelassen und bedürfnisorientiert begleiten?

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Hi, ich bin Annika, Expertin für frühkindliche Entwicklung und Spezialistin für die Beratung von Familien. Ich zeige dir, wie du dein Kind friedlich und bedürfnisorientiert durch die Autonomieentwicklung ("Trotzphase") begleitest.

Bedürfnisorientiert. Selbstbestimmt. Ganzheitlich.

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