April 11, 2022

Wie werden Kinder selbstständig?

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Ihr habt mich gefragt, wie werden Kinder eigentlich selbstständig. Und das fragen sich viele Eltern immer wieder: Wie viel Hilfe ist notwendig? Wie viel sollte mein Kind selbst machen dürfen?

Kurzer Spoiler: Du solltest deinem Kind aus falsch verstandenem Schutz nicht alles abnehmen, aber auch nicht zu hohe Erwartungen an die Fähigkeiten und Kompetenzen deines Kindes stellen. Vor allem nicht, wenn dein Kind nach der Kita total müde ist. Wie du die Balance dafür findest, erfährst du in dieser Folge.  

Das erfährst du in dieser Folge:

  • Was brauchen Kinder, um selbstständig zu werden?
  • Wie hängt Bindung & Selbstständigkeit zusammen?
  • Ein kurzer Ausflug in die Bindungstheorie
  • Was kann ich tun, um meinem Kind Selbstständigkeit zu ermöglichen?

Du möchtest mehr?

Know-Wow-Abend

18. Mai, um 20:30Uhr

Geschwister: Große Liebe oder große Krise

Erfahre in meinem Online Know-Wow Abend, wie du dein Kind auf sein Geschwisterchen vorbereiten und Geschwisterkrisen begleiten kannst.

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Inhalt:

Selbstständigkeit entsteht durch Bindung

  • Selbstständigkeit entsteht aus der Bindung heraus! Es gibt sicher gebundene Kinder und unsicher-vermeidende und unsicher-ambivalent gebundene Kinder.
  • Eine unsichere Bindung ist die zweitbeste Art, sich zu binden!
  • Ca. 60 % der Kinder gelten in Deutschland als sicher gebunden, 25 - 30% also unsicher gebunden und können trotzdem ein erfülltes Leben führen! Die restlichen 10 - 15%, die da jetzt noch fehlen, sind die Menschen, die eine Bindungsstörung entwickelt haben (Brisch, 2014).
  • Allerdings sind Bindungsbeziehungen sehr variabel: 
  • Ich kann zu einer Person eine sichere Person entwickeln und zu einer anderen Person eine unsichere. Wenn ich irgendwo eine schwierige Bindungserfahrung gemacht habe, kann ich trotzdem woanders eine sichere Bindung aufbauen und diese Erfahrung im Erwachsenenalter integrieren.

Nur wer sich sicher fühlt, kann selbstständig werden

  • Ziel ist immer, sich sicher zu fühlen! Alle Situationen, die irgendwie Angst und Unsicherheit auslösen, aktivieren unser Bindungssystem.
  • Autonomie, also Selbstständigkeit und Bindung hängen untrennbar zusammen.
  • Menschen bewegen sich immer in einem Spannungsfeld aus Nähe und Distanz, Autonomie und Verbundenheit.
  • Nur wer in irgendeiner Art an seine BP gebunden ist, kann sich auch von ihr entfernen und selbstständig werden. 
  • Das ist die klassische Spielplatzsituation:
  • Das Kind, so 1,5 - 2 J, fängt an sich zu entfernen, drehen sich dann aber wieder um und rückversichern sich: Was hat Mama oder Papa für einen Gesichtsausdruck, was geben die für ein Signal? Ist es hier sicher, kann ich weiter gehen?
  • Je nachdem, wie sich die BP verhält, kriegt das Kind eine Botschaft: Hier ist es sicher, du kannst die Welt erkunden oder das Signal: hier ist es gefährlich, komm mal wieder zurück!

Hab dein Kind im Blick und beobachte, was es braucht

  • Wenn z.B. Verwandte das Baby halten wollen und das Baby weint dann und zeigt sehr deutlich, dass es zurück will. Manchmal sagen dann die Verwandten: “So kann es halt auch keine Beziehung zu mir aufbauen, wenn du es immer wieder zurücknimmst.”
  • Ihr dürft hier für euch einstehen. Das Kind kann sehr wohl von eurem Arm oder Schoß aus erstmal die Person kennenlernen. Aber wenn das Kind dann auf dem Arm der anderen Person ist und deutlich zeigt, dass es sich unwohl fühlt, dann nehmt es ruhig wieder zurück, wenn es sich für euch nicht gut anfühlt. 
  • Denn welches Signal gebt ihr sonst eurem Kind? Ich sehe deinen Unmut, aber nehme dich trotzdem nicht zurück.
  • So gefährdest du die Selbstständigkeitsentwicklung deines Kindes, weil sein aktiviertes Bindungssystem nicht berücksichtigt wird.
  • Gleichzeitig ist es natürlich auch möglich, dass nach einer Zeit des BIndungsaufbaus ihr gemeinsam ausprobiert, ob die neue Person das Kind trösten und beruhigen kann. Aber nur, wenn sich das für euch gut anfühlt, ansonsten spiegelst du deinem Kind ebenfalls dein Unbehagen!
  • Hat ein Kind genug Sicherheit, dann ist es bereit zu erkunden, Menschen und Umgebungen kennenzulernen und eigenständig zu handeln.
  • Die Sicherheit gelingt, wenn die Bindungsperson auch bei Bedarf die Führung in der Beziehung übernehmen.

Was du tun kannst, um deinem Kind Selbstständigkeit zu ermöglichen

  • Du brauchst dein Kind nicht zur Selbstständigkeit erziehen.
  • Es kommt von ganz alleine, wenn du es lässt.
  • Nimm deinem Kind nicht alles ab, weil es dann schneller geht. Sondern probiere auch ruhig mal aus, was es schon kann.
  • Doch gleichzeitig darfst du deinem Kind auch mal eine Serviceleistung erbringen 😉 Wenn es z.B. total müde ist. Auch wenn es sich schon selbst anziehen kann, du musst es nicht auf Biegen und Brechen verlangen. Manchmal fühlt man sich doch einfach total umsorgt und geborgen, wenn man sehr kaputt ist und jemand liebes einem etwas abnimmt.

7 konkrete Tipps, um die Selbstständigkeit zu unterstützen

Tipp Nr. 1: Lass dein Kind mitentscheiden

  • Viele Kinder wollen schon früh eigene Entscheidungen treffen. Bsp.: Unser Baby wählt sich ganz genau aus, was von den Dingen auf dem Teller es essen möchte.
  • Frage dein Kind ruhig nach seiner Meinung und lasse es mitbestimmen. 

Tipp Nr. 2: Ermutige dein Kind Neues auszuprobieren

  • Ermutige dein Kind, Dinge auszuprobieren, aber lasse auch jederzeit zu, dass es nach Unterstützung fragt.

Tipp Nr. 3: Biete deinem Kind Hilfestellungen

  • Gib Hilfestellungen, wo welche nötig sind. Du kannst z.B. fragen: Wo brauchst du Hilfe?

Tipp Nr. 4: Gib deinem Kind altersgerechte Werkzeuge

  • Gib deinem Kind die Werkzeuge zur Hand, mit denen es selbstständig tätig sein kann, aber sich nicht in Gefahr bringt: Es gibt z.B. Wellenschneider, mit denen schon kleine Kinder weiche Dinge schneiden können oder auch Kinderscheren.

Tipp Nr. 5: Reflektiere wo DU ängstlich reagierst, es aber Vertrauen braucht

  • Werde dir deiner eigenen Ängste bewusst. Auf dem Klettergerüst hilft es deinem Kind z.B. nicht, wenn du es total ängstlich ausbremst. Dein Kind braucht da dein Vertrauen, dass es sich und seine Kräfte und Fähigkeiten ausprobieren kann.

Tipp Nr. 6: Unterstütze dein Kind eigene Lösungen zu finden

  • Unterstütze dein Kind auch in Konflikten, eigene Lösungen zu finden. Man rutscht als Mama oder Papa schnell in die Schiedsrichterrolle über Richtig oder Falsch, doch das ist oft nicht notwendig. Übernimm lieber eine Moderatorenrolle.

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Hi, ich bin Annika, Expertin für frühkindliche Entwicklung und Spezialistin für die Beratung von Familien. Ich zeige dir, wie du dein Kind friedlich und bedürfnisorientiert durch die Autonomieentwicklung ("Trotzphase") begleitest.

Bedürfnisorientiert. Selbstbestimmt. Ganzheitlich.

Du bekommst hier und auf meinem Instagram Kanal @deine_familienbande jede Menge wertvolles Knowhow und Impulse für deinen Alltag