Juni 5, 2021

Woran du eine „gute Kita“ erkennst

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Woran du eine gute Kita erkennst

Vielleicht steht auch bei euch bald eine Eingewöhnung an und ihr begebt euch auf die Suche nach einer Kita. Oder ihr möchtet aus verschiedenen Gründen (Umzug, Unzufriedenheit,...) die Kita wechseln und schaut euch deswegen um.

In diesem Artikel möchte ich dir einige Punkte nennen, an denen du eine qualitativ hochwertige Kita-Betreuung erkennen kannst. Nicht alle Punkte müssen erfüllt sein, damit dein Kind oder du dich mit der Kita wohl fühlst. Aber die Aspekte können Anhaltspunkte für euch sein.

Eines mal vorweg: Die Kita-Landschaft in Deutschland ist sehr durchwachsen. Es gibt sehr gute Kitas und leider auch viele Kitas, die noch keine qualitativ hochwertige Betreuung anbieten. 

Dann ist es umso wichtiger, dass dieser Mangel durch Zeit und Qualität mit den primären Bindungspersonen zuhause ausgeglichen werden kann. Woran du erkennst, ob deine Kita qualitativ hochwertig arbeitet, erfährst du in diesem Artikel.

Leider haben Eltern manchmal auch einfach gar keine Chance, sich für ihre “Wunschkita” zu entscheiden, sondern müssen das nehmen, was sie kriegen können. Es herrscht einfach noch immer ein großer Mangel an Kita-Plätzen und zugehörigem Personal. 

Faktoren, die nicht maßgeblich für die Qualität der Kita sind

Eine gute Kita erkennst du meiner Ansicht nach nicht am umfangreichen Kursangebot. Meist bestehen diese Kurse aus extern dazu gebuchtem Personal und hier muss definitiv abgewogen werden, wer davon profitiert. Meine Kritik daran ist, dass hier fremde Personen in den Schutzraum Kita kommen, die die Kinder noch nicht kennen. Hochwertiger ist es doch, wenn besondere Angebote von den Pädagog:innen selbst gestaltet werden können und die Kinder nicht erneut eine fremde Person kennenlernen müssen, um an etwas teilzunehmen. Wichtiger als “Chinesisch für Vorschulkinder” finde ich eine liebevolle Lernatmosphäre, in der sich jedes Kind entfalten kann.

Eine gute Kita erkennst du auch nicht unbedingt an Hochglanzflyern und ansprechendem Konzept. Zu häufig habe ich erlebt, dass konzeptionell sehr hochwertige Versprechen gemacht wurden, die dann allerdings an keiner Stelle im Tagesablauf erkennbar waren. Möglicherweise wurde das Konzept dann von der Kita-Leitung im stillen Kämmerlein geschrieben und das Team hat im Prozess nicht mitgewirkt. 

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Doch woran erkennt man denn nun eine “gute” Kita?

Dafür habe ich dir hier verschiedene, wichtige Aspekte zusammengestellt. Häufig kannst du diese Punkte schon bei deinem ersten Besuch in der Kita erkennen oder “mitbekommen”, wenn du dich durch das Haus bewegst. Jede Familie sollte meiner Meinung nach die Gelegenheit bekommen, mindestens ein umfangreiches Erst- oder Einführungsgespräch mit der Kita führen zu können. Ein Sahnehäubchen wäre meiner Meinung nach auch ein Schnuppertag, sodass ihr die Kita und ihre Atmosphäre mal im “laufenden Betrieb” wahrnehmen könnt.

Los geht’s mit den 10 wichtigsten Aspekten für eine “gute Kita”:

Punkt 1: Atmosphäre in der Kita:

Wie werdet ihr in der Einrichtung begrüßt? Wie begegnen die Pädagog:innen deinem Kind / den anderen Kindern? Was kannst du beobachten, aber spüre auch mal in dich hinein, wie du dich fühlst, wenn du die Kita betrittst. Ist es ein Ort des “Willkommen-Seins”? Wirst du direkt angesprochen oder fühlst du dich wie ein Fremdkörper in einem fremdem Universium?

Punkt 2: Liebevolle Annahme & Begegnung auf Augenhöhe 

Wie verhalten sich die Erzieher:innen gegenüber den Kindern? Das kannst du bereits bei einem Rundgang, wenn du die Kita besichtigst, wahrnehmen. Werden die Kinder in ihren Belangen ernst genommen? Dürfen sie mitentscheiden, was gemacht wird? Können die Kinder Entscheidungen über ihren eigenen Körper treffen? 

Punkt 3: Personalschlüssel & - fluktuation: 

Es ist sinnvoll und für hohe Qualität unabdingbar, dass Kinder feste Bezugspersonen haben. Je jünger, desto verbindlicher ist diese Empfehlung von mir. Meist ist die Bezugserzieher:in die Person, die auch die Eingewöhnung gemacht hat. Das heißt nicht, dass das Kind sich nicht auch anderen Pädagog:innen zuwenden kann, aber es ist wichtig, dass sich jemand federführend zuständig fühlt. Auch ist es wichtig, dass es wenig Fluktuation im Personal gibt. Leider sind Kitas häufig aus strukturellen Gründen davon gebeutelt. Wenn dein Kind sich zu einer anderen Pädagog:in mehr hingezogen führt, wäre es schön, wenn auch Bezugserzieherwechsel flexibel möglich wären. Der Personalschlüssel sollte in Krippen mind. 1:4, (besser 1:3!!) und im Elementarbereich mind. 1:7 sein. Das sind die aktuellen wissenschaftlichen Empfehlungen (z.B. die NICHD-Studie). In vielen Einrichtungen sieht die Situation aufgrund von Krankheit, Fluktuation und unbesetzten Stellen leider anders aus.

Punkt 4: Flexibilität bei der Eingewöhnung:

Jedes Kind ist individuell und bringt eine individuelle Familiengeschichte mit. Manche Kinder haben bereits Erfahrung mit Trennungen und Abschieden, manche Kinder sind auf ihr Temperament und ihre Persönlichkeit bezogen eher zurückhaltend und abwartend und andere Kinder stapfen direkt los und erkunden die Umwelt. Diese Individualität erfordert es, dass auch Eingewöhnungen flexibilisiert werden können. Mehr zum Thema Eingewöhnung liest du hier! Falls ein Kind oder ein Elternteil länger benötigt, sollte es möglich sein, den Abschied später durchzuführen. Wenn ein Kind signalisiert, dass es neugierig auf die neue Umgebung und die neuen Personen ist und sich sicher fühlt, kann der Abschied auch schon eher stattfinden. Individuelle Betrachtung statt starre Richtlinien zu verfolgen!

Punkt 5: Förderung der Selbstbestimmung und Partizipation in der Kita

Wie können die Kinder den Kita-Alltag mitgestalten? Wo werden sie mit einbezogen? Wenn der Alltag starr und unflexibel durchgezogen wird, “weil man das halt schon immer so gemacht hat”, bleibt wenig Raum für Partizipation. Doch Kinder können - im Sinne ihrer Demokratiebildung - schon früh in die Gestaltung des Alltags und des Miteinanders miteinbezogen werden. Es hängt alles davon ab, wie flexibel die Erwachsenen im Kopf sind 🙂

Punkt 6: Angebote für “Bildung mit allen Sinnen”:

Besonders Kinder lernen in den ersten Jahren durch die Erforschung der Welt mit allen Sinnen. Die tollsten Lernspiele und Sprach- und Zählangebote sind nicht so wertvoll, wenn nicht vorher ausgiebig der Körper und die Welt mit den Sinnen erforscht wurde.

Punkt 7: Wie erfährst du, was dein Kind in der Kita erlebt? 

Eine gute Kita lässt Eltern oder andere Angehörige daran teilhaben, was das Kind in der Kita erlebt hat. Das ist besonders bei (noch) nonverbalen Kindern wichtig. Das könnte durch einen wöchentlichen Newsletter, aber auch durch Aushänge mit Fotos, digitalen Bilderrahmen oder ähnlichem erfolgen.

Punkt 8: Hochwertige Spielmaterialien 

Hier gilt: Weniger ist mehr! Spielmaterialien, die die Fantasie anregen, zum Erforschen herausfordern oder die individuelle Weiterentwicklung zulassen, sind enorm wichtig. Dazu gehören zum Beispiel schlichte Bausteine wie “Kapla-Steine” oder in der Krippe besonderes Ursache-Wirkungs-Material oder Materialien mit verschiedenen Eigenschaften wie zum Beispiel unterschiedlichen Konsistenzen, Gewicht, Form, Farbe,..

Punkt 9: Ein großzügiger Bewegungsraum, der stets zur Verfügung steht

Jedem Kind muss zu jeder Zeit genügend Raum und Platz zur Verfügung stehen, um sich ausgiebig bewegen zu können. Es gibt leider noch zu viele Kitas, die lediglich “feste Turnhallenzeiten” haben, doch meiner Ansicht nach muss sichergestellt werden, dass Kinder zu Bewegung angeregt werden. Und das zu jeder Zeit. 

Punkt 10: Außengelände oder Spielplatz in der Nähe

Sollte die Kita über kein eigenes Außengelände verfügen, wäre es schön, wenn in der Nähe ein Park, Wald oder Spielplatz wäre. Jedes Wetter kann und sollte dazu genutzt werden, nach draußen zu gehen und den Kindern die Welt zu zeigen. Das Angebot dazu sollte mindestens täglich bestehen.

Beziehungen vor Material und Ausstattung!

Diese Liste ist sicherlich nicht vollständig. Eine gute Kita steht und fällt mit den Menschen, die dort ein- und ausgehen. Die Qualität der Kita wird maßgeblich durch die Beziehungsgestaltung bestimmt. Das bedeutet für mich, dass du bei vielen der genannten Punkte durchaus Abstriche machen kannst. Das Wichtigste ist, dass du bei den Menschen, die dort arbeiten, ein gutes Gefühl hast.

Mit dieser ersten Liste möchte ich dir die Möglichkeit geben, ein bisschen vorbereitet zu einem “Schnuppertag” gehen zu können und gegebenenfalls “die richtigen Fragen” stellen zu können. 

Ich weiß, dass Eltern häufig nicht sehr wählerisch sein können. Daher kannst du diese Liste einfach als Anregung nehmen. So kannst du für dich herausarbeiten, was dir am wichtigsten ist.

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10 Punkte an denen du eine "gute" Kita erkennst

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Hi, ich bin Annika, Expertin für frühkindliche Entwicklung und Spezialistin für die Beratung von Familien. Ich zeige dir, wie du dein Kind friedlich und bedürfnisorientiert durch die Autonomieentwicklung ("Trotzphase") begleitest.

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