Juni 24, 2020

Gebärden für Babys – Wie Ihr euren Dialog stärken könnt

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In meiner letzten Umfrage auf Instagram habt ihr euch gewünscht, dass ich etwas über das Thema „Gebärden für Babys“ schreibe. Da ich sehr gerne mit gebärdenunterstützte Kommunikation arbeite, komme ich dem Wunsch natürlich gerne nach.

Gebärden mit Babys – Warum brauche ich das?

Vielleicht denkst Du gerade, dass das Thema für Dich nicht relevant sei, da weder Du noch dein Baby hörgeschädigt oder sogar gehörlos seid. Das Thema Gebärden mit Babys reicht jedoch viel weiter und kann die Kommunikation mit Deinem Kind erleichtern.

Ich selbst bin zuerst im Studium und später dann auch in meiner täglichen Arbeit mit gebärdenunterstützter Kommunikation in Berührung gekommen. In meiner Arbeit als Frühförderin ging es zunächst darum, Familien und Kindern, die Schwierigkeiten in ihrer lautsprachlichen Entwicklung haben, eine Möglichkeit an die Hand zu geben, miteinander zu kommunizieren und so die Teilhabe zu verbessern.

In unserer Kita arbeiten wir täglich mit gebärdenunterstützter Kommunikation für alle Kinder und ich durfte bereits viele tolle Erfahrungen machen, wie Kinder sich mit Gebärden mitteilen. Das können sehr junge Kinder sein, aber auch ältere Kinder, die mehrsprachig aufwachsen oder Sprachentwicklungsverzögerungen haben.

Gebärden unterstützen die Kommunikation mit deinem Kind

Natürlich kommen die meisten Kinder auch ohne Gebärden in den Spracherwerb. Schon im Mutterleib beginnt dein Baby, die Muttersprache aufzunehmen, sodass es diese bereits nach der Geburt von anderen Sprachen unterscheiden kann. Es beginnt nach ein paar Monaten zu brabbeln und du als Mutter verstärkst meist ganz intuitiv die natürlichen Strategien zur Sprachentwicklung deines Babys.

Doch die Verwendung von Gebärden kann eure Kommunikation miteinander positiv ergänzen! Die meisten Menschen unterschätzen die Kommunikationsmöglichkeiten eines Babys, da wir zunächst sehr auf die Lautsprache fokussiert sind. Doch wenn wir beginnen, genauer hinzuschauen und zu beobachten, merken wir schnell, dass Babys sich bereits sehr früh mit Zeigegesten verständigen möchten.

Zwischen dem 6. und 8.Monaten beginnen Babys mit den ersten Zeigegesten

In den ersten Lebensmonaten des Babys geht es noch nicht darum, dass es selbst Gebärden lernt. In dieser Phase könnt ihr jedoch schon mit Handbewegungen die Aufmerksamkeit auf euch lenken.

Ungefähr ab dem 6. bis 8. Lebensmonat fangen Kinder mit Zeigegesten oder Winken an, sich mitzuteilen. Das ist einige Monate bevor sie in der Lage sind, vollständige Wörter zu artikulieren. Sprechen ist ein komplexer motorischer Vorgang. Häufig ist die Fähigkeit Sprache und Worte zu verstehen bei Babys besser und früher ausgeprägt als die Fähigkeit, selbst Worte zu bilden.

Doch diese Zeigegesten, die Babys anwenden, sind die ersten Signale dafür, dass dein Baby seine Umwelt bewusst wahrnimmt und anfängt zu begreifen.

Bei Fingerspielen und Liedern verwenden die meisten schon ganz intuitiv Gesten und Zeichen, um die Lieder mit Bewegungen zu ergänzen. So verdeutlicht sich die Kernaussage des Liedes oder Fingerspiels. Babyzeichen können als Übergang oder Brücke zwischen Sprachverständnis und aktiver Sprache gesehen werden.

Im Unterschied zu Gesten sind Gebärden festgelegte Bewegungen

Es ist wichtig, dass Du nun den Unterschied zwischen den zuvor schon häufig von mir erwähnten „Gesten“ und „Gebärden“ verstehst.

Gesten verwendet jeder von uns intuitiv und sind nicht festgelegte Bewegungen. Wenn Du beispielsweise Lieder mit Bewegungen ergänzt, dann unterstützt du hier mit Gesten die Kommunikation.

Gebärden sind hingegen festgelegte Bewegungen, welche immer bei den gleichen Wörtern verwendet werden. Eine Übersicht und Definition findest Du in der „Deutschen Gebärdensprache“. Bei der Gebärdensprache für Gehörlose wird jedes Wort gebärdet. Bei der gebärdenunterstützten Kommunikation, die ich hier thematisiere ist dies jedoch nicht nötig. Es reicht hier, wenn Du dir überlegst, für welche Schlüsselwörter Du Gebärden nutzen möchtest.

Nutze die Vorteile einer Kommunikation mit Gebärden

Gebärdenunterstützte Kommunikation kann nicht nur die Verständigung zwischen Eltern (und Fachkräften) und Kind verbessern, sondern auch aller Kinder untereinander. Daher verwenden wir auch in der Kita für alle Schlüsselworte Gebärden, um allen Kindern die Möglichkeit zu geben, das Geschehen zu verfolgen und zu verstehen.

Durch Gebärden stärkst Du den Dialog mit deinem Kind

Durch Gebärden hört man den Kindern nicht nur zu und lenkt seine Aufmerksamkeit nicht nur auf das gesprochene Wort. Die Gebärden sorgen dafür, dass man viel früher und genauer hinschaut, wenn die Kinder versuchen, sich mitzuteilen und in den Dialog tritt. Beispielsweise könnte Dein Kind „NACH HAUSE“ gebärden. Dies heißt nicht, dass ihr dies direkt tun müsst. Vielmehr hast du jetzt die Möglichkeit auch zu antworten mit „Oh, du willst nach Hause? SPÄTER (Gebärde) gehen wir.“ Oder „NEIN (Gebärde), wir bleiben noch.“

Gebärden unterstützen den Wortschatzaufbau deines Kindes

Wenn Dein Baby auf etwas zeigt, z.B. auf die Trinkflasche, die auf dem Tisch steht, sagst Du vielleicht „Oh, du möchtest etwas trinken!“. Ganz intuitiv beschreibst du die Lebenswelt deines Babys und gibst deinem Baby Worte für seine Umwelt. Wenn Du gleichzeitig die Gebärde für „TRINKEN“ zeigst, verknüpft dein Baby die Bewegung in sich wiederholenden Situationen mit dem Gegenstand, der Trinkflasche. Diese „Symbolbildung“ ist ein wichtiger Bestandteil der Sprachentwicklung.

Dein Kind lernt außerdem nicht nur die Worte für die Trinkflasche und die dazugehörige Handlung „Trinken“, sondern es erlebt auch eine Selbstwirksamkeit. Auch wenn es die Worte noch nicht formen kann, so kann es mit seinen Händen auf sich aufmerksam machen und wird verstanden. Sein Durst wird gestillt!

Gebärden stärken die Beziehung zu deinem Kind

Durch Gebärden kannst Du den Blickkontakt mit deinem Baby und somit die gegenseitige Aufmerksamkeit verstärken. Die positiven Erfolgserlebnisse im gegenseitigen Verstehen stärken zudem das Vertrauen zwischen Dir und deinem Baby sowie die Lust, miteinander in Kommunikation zu gehen.

Dein Kind wird selbstbewusster

Dein Kind erhält durch Gebärden früher die Möglichkeit sich bei dir verständlich zu machen. Diese Erfolgserlebnisse stärken das Selbstvertrauen Deines Kindes. Es ist eine tolle Erfahrung, verstanden zu werden! Manche Babys oder Kleinkinder, die sich noch nicht sprachlich ausdrücken können, aber bereits ein großes Sprachverständnis haben, sind regelrecht frustriert, wenn sie von ihren Mitmenschen nicht verstanden werden. Hier können Gebärden Abhilfe schaffen!

Gebärden können Konfliktsituationen vorbeugen

Wenn Kinder älter sind, können Gebärden auch als Geheimzeichen zwischen Dir und Deinem Kind fungieren. Es gibt vielleicht Situationen, aus denen Dein Kind raus möchte. Wenn ihr euch mit Gebärden verständigen könnt, kann Dir dein Kind ein Signal geben, ohne, dass alle Umstehenden das auch verstehen.

4 Tipps wie Du gebärdenunterstütze Kommunikation anwendest

Ich möchte Dir in diesem Abschnitt die ersten Tipps mit auf den Weg geben, wie Du die gebärdenunterstützte Kommunikation anwendest. Falls Du dich umfassend mit dem Thema der gebärdenunterstützten Kommunikation auseinandersetzen möchtest, dann empfehle ich Dir das Konzept „BabySignal“ von der Diplom Pädagogin und Gründerin der Hamburger Frühförderstelle „Sprachsignal“ Wiebke Gericke. Dieses Konzept ist für alle Kinder im Alter von 6- 24 Monaten und fördert die Verständigung von zwischen Eltern und Kind.

Wiebke Gericke bietet auch Online-Kurse an, mit denen du ganz orts- und zeitunabhängig Gebärden erlernen kannst!

Definiere Gebärden für relevante Schlüsselwörter

Zu Beginn ist es wichtig, dass Du dir überlegst, in welchen typischen Alltagssituationen Du mit Deinem Kind die Kommunikation unterstützen möchtest. Ich empfehle Dir zu Beginn mit einigen wenigen Gebärden zu beginnen. Diese Gebärden sind nicht auf Dauer festgelegt und du kannst neue Gebärden hinzufügen und andere weglassen, je nachdem, wie sich die Kommunikation und die Situationen mit Deinem Kind verändern.

Typischer Weise werden Gebärden beispielsweise für die Worte ESSEN, TRINKEN, STOPP, FERTIG oder NOCHMAL genutzt. Du kannst aber auch immer individuell schauen, für was sich dein Kind gerade interessiert und beispielsweise Gebärden für Tiere wie HUND oder KATZE mit integrieren.

Nutze Die Aufmerksamkeit Deines Kindes

Um Deinem Kind Gebärden beizubringen musst Du seine natürliche Aufmerksamkeit nutzen. Beispielsweise kannst Du Situationen, in denen du Blickkontakt mit Deinem Baby hast, nutzen, um die Gebärde „natürlich“ mit einzubauen und deinem Kind zu zeigen.

Baue Dir auch bitte nicht zu viel Druck auf in jeder Situation Gebärden anwenden oder üben zu wollen. Gebärden dürfen und sollen Spaß machen! Zudem ist es auch nicht wichtig, dass Dein Kind die Gebärde in einer Situation direkt wiederholt.

Betone Schlüsselwörter

Wenn Du mit deinem Kind sprichst, dann betone nur das Schlüsselwort durch eine Gebärde und somit die definierte Bewegung. Ein Beispiel hierfür könnte sein „Möchtest du SCHLAFEN gehen?“ bei dem Wort „SCHLAFEN“ führst Du deine definierte Handbewegung aus.

Es ist wichtig, dass Du nur das Schlüsselwort in einem Satz mit Gebärden unterstützt. Durch Deine Gebärde lernt Dein Kind, wo das Wort anfängt und aufhört. Hierdurch unterstützt du maßgeblich den Sprachentwicklungsprozess Deines Kindes.

Wiederhole die Gebärden

Damit Dein Kind die Gebärden mit einem Wort verbindet, bedarf es der regelmäßigen Wiederholung. Hierfür kannst Du die Gebärden beispielsweise in tägliche Rituale einbetten wie „Jetzt ist es SCHLAFENszeit“.

Teile Deine Erfahrungen

Mit diesen ersten Schritten kannst Du die gebärdenunterstützte Kommunikation für Dich nutzen. Ich würde mich freuen, wenn ich Dir mit meinem Beitrag Lust auf das Thema gemacht habe oder wertvolle Tipps geben konnte.

Welche Erfahrungen hast du in der Anwendung gemacht? Welche Gebärden nutzt Du? Teile gern Deine Erfahrungen in den Kommentaren.

 Deine Annika

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Hi, ich bin Annika, Expertin für frühkindliche Entwicklung und Spezialistin für die Beratung von Familien. Ich zeige dir, wie du dein Kind friedlich und bedürfnisorientiert durch die Autonomieentwicklung ("Trotzphase") begleitest.

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